Interview

Quelle: Informationsdienst KUNST 562, 25. September 2014

Michael Tacke:
Das Büro Orange, Botschafter junger Kunst in der Arbeitswelt

Informationsdienst KUNST:

1982 haben Sie in München gemeinsam mit Günther Förg das »Büro Orange« gegründet. Um zeitgenössische Kunst in der Arbeitswelt zu verankern, haben Sie in der Folgezahlreiche Ausstellungen und Installationen gezeigt, die den Arbeitsalltag künstlerisch reflektierten. Die Siemens-Niederlassung an der Richard-Strauss-Straße, jener Ort, wo Ihre Initiative vor mehr als drei Jahrzehnten entstand, wird demnächst verkauft. Das bietet Anlass für eine Bilanz: Ist es Ihnen gelungen, »unser Arbeitsleben reicher und anregender zu machen«, um eine Formulierung aus dem Grundsatzpapier des »Büro Orange« aufzugreifen? Und wie führen Sie diese Vision in die Zukunft fort?


Michael Tacke, Büro Orange, Grünwald / München:

Ich finde schon, dass ich mit den Ausstellungen und vor allem den knapp 50 Installationen den Arbeitsalltag bei Siemens in München, Nürnberg undRegensburg reicher und anregender gemacht habe. Die Mitarbeiter freilich haben das Angebot der Kunst eher ignoriert, fallweise sogar Anstoß genommen.Stadtbewohner nehmen ihre Denkmäler ja auch nicht bewusst wahr. Das einzige mir bekannte Lob hat Kathrin Böhm eines Morgens in Regensburg zu hören bekommen: »Ui, das macht einen ja richtig wach!« Ihre Farbwolke in dem dortigenTreppenhaus springt freilich dem Besucher frappant ins Auge. Desinteressierten Menschen Kunst nahezubringen, erfordert sehr viel Zeit, Geduld und Fachpersonal – also Geld. Das konnte ich nicht leisten. Doch als ich den Meckerern einst anbot, die konzeptuelle Skulptur von Sabine Groß nach zwei Jahren wieder abzubauen, kam die Antwort: »Nein, jetzt würd uns doch etwas fehlen«. Mein Hauptanliegen war stets, jungen Künstlern – mehr als die Hälfte sind Künstlerinnen – einen Freiraum zu bieten, ein Experimentierfeld in neuer Atmosphäre und damit eine andere, größere Herausforderung. Nie bekam ich einen Korb, war ich doch seit 1973 als Kurator des Kunstraum München bekannt. Während ich von Künstlern, Kritikern und Kuratoren vielfach Anerkennung erfahre, sind nur wenige Bauherren und Architekten meinem Beispiel gefolgt. Das Büro Orange bleibt meine Flagge als freier Kurator, der jungen Künstlern Chancen eröffnet.