günther förg und das büro orange 
wir schreiben das jahr 1982. günther förg wird 30 jahre alt. er hat an der akademie der bildenden künste in münchen bis 1979 studiert, bei karl fred dahmen. 
1980 hat er eine erste ausstellung bei rüdiger schöttle in münchen. förg will aber gerne im kunstraum münchen ausstellen. diese pilot-institution für zeitgenössische kunst hat acht jahre zuvor mit richard tuttle eröffnet. fred sandback ist dort schon gezeigt worden, agnes martin, brice marden, per kirkeby - damals noch alles andere als berühmt. dort will förg ausstellen. 
sein erster kontakt zum kunstraum ist banal: er weißelt die wände nach den ausstellungen. förg sucht das gespräch mit michael tacke, dem geschäftsführenden vorsitzer des vereinsvorstands. der aber flieht erstmal vor den lautstark vorgetragenen angriffen gegen sein programm, bevor es überhaupt zur besichtigung der arbeiten kommt.
doch tacke treibt die neugier in förgs atelier. er ist begeistert, ihn faszinieren die „raumteiler“, die rätselhaften porträtfotos, die dem heiteren himmel entsprungenen farb-formen. er empfindet förgs malerei als befreiung, sind die künstler des kunstraums doch meist eigenen strengen gesetzen verpflichtet. er sieht in förg den künstler, welcher seinen drachen gerne dem wind der gegenwart aussetzt 
michael tacke will förg ausstellen, aber es tut sich unerwartet ein hindernis auf: der komplette vereinsvorstand lehnt ab. nun ist in jenen jahren die „autonomie der kunst“ mal wieder streitthema.  künstler wollen raus aus dem musentempel. da hat tacke, im hauptberuf vorstand der siemens-niederlassung münchen, eine idee: er bietet förg ein leeres großraumbüro in der denninger straße für die ausstellung an. 
förg wird dort einen „raumteiler“ zeigen, welcher design, farbe und foto behutsam, doch selbstbewusst kombiniert. spiral-bänder an den tragepfeilern relativieren deren dominanz. die ausstellung wird zur raumgestaltung. das porträt eines bildschönen mädchens liegt unter glas auf dem boden1. außerdem sind noch metallstühle in blitzform von wolfgang flatz zu sehen.
michael tacke braucht ein klares signal der abgrenzung  -  einerseits zum kunstraum münchen ( dessen begeisterter chef er bis 1995 bleiben wird)  -  andererseits zu siemens, renommiert als high tech konzern, aber noch ganz ohne jedes kulturprogramm. er sucht daher nach einem einprägsamen namen für die förg-und-flatz-ausstellung, aber auch für weitere vorhaben, und erfindet den namen „büro orange“, ausgehend von dem orangefarbenen teppichboden des für die ausstellung erkorenen raums im stil der 60er jahre. 
mit günther förg wird das „büro orange“ geboren. bald werden unter dieser flagge nicht nur ausstellungen gezeigt, sondern vor allem kunstwerke in die siemens-architektur  integriert. so führt günther förg schon 1985  einen auftrag des büro orange im werkstatthof der siemens-niederlassung im westend münchens aus: die „fensterfront“, die man bis heute bewundern kann2. 1990 entsteht eine große farbgebung im damaligen karl heinz beckurts saal3 (inzwischen aus baugründen wieder verschwunden), 1996 folgen fünf wandmalereien und zwei weitere arbeiten, darunter die fulminante gestaltung eines treppenhauses. die arbeiten günther förgs in der richard strauss straße sind allesamt höchst eindrucksvoll.
das büro orange, inzwischen zu einer agentur für kunst im arbeitsalltag fortentwickelt, hat im laufe der jahre in münchen, nürnberg und regensburg rund fünfzig installationen eingerichtet, 33 ausstellungen veranstaltet und 25 dokumentationen allein oder im verbund herausgegeben.
und günther förg hat dann doch im kunstraum münchen ausgestellt: schon 1984 und gleich noch einmal 1986  -  mit dazugehörigen katalogen.


1 gestaltete räume in münchen, herausgegeben von michael tacke, büro orange, münchen 1992,  p. 6 
2 ibidem, p 26,   text von susanne küper  -  siehe a. „supplemento a südreport“ des büro orange, 1991, letzte seite
3 ibidem, p 28,   text von susanne küper